Was ist Geographie II

 

Die Geographie, die Wissenschaft vom Raum, hat eine zum Teil bescheidene Vergangenheit. Nicht umsonst reagieren einige Großeltern, wenn mensch ihnen vom Studium erzählt, mit „Aaaah Landeskunde!“. Als eigenständige Wissenschaft der Neuzeit entstand die Geographie am Ende des 19. Jahrhunderts parallel zu den Nationalstaaten – damals häufig als „Völker-“ oder „Landeskunde“ bezeichnet. Die Wissenschaft diente speziell in Deutschland als Werkzeug für Imperialismus und Nationalismus. Einerseits sollten Erkenntnisse über potenzielle Kolonialgebiete gesammelt werden, andererseits diente die Geographie als Mittel um „nationale“ Identitäten zu konstruieren. So sollte eine Herausarbeitung von „nationalen“ Besonderheiten die jungen Nationalstaaten legitimieren und stabilisieren. Häufig wurde dafür auch die Rassentheorie genutzt, die Geographie „erforschte“ die
räumliche Verteilung von „Rassen“. Somit stellte die Wissenschaft vom Raum – bzw. später vom „Lebensraum“ – von Anfang an ein politisches Werkzeug zur Konstruktion und Stabilisierung von „Nation“ und Staat dar.

Einige Geograph*innen brachen jedoch früh mit dieser Vorstellung ihrer Wissenschaft, Peter Kropotkin und sein Schüler Élisée Reclus sind die heute bekanntesten von ihnen. Weiterlesen →

Was ist Geographie I

Welt Europa Karte Verbindungen Netzwerk Ko

Geographie ist die Butze, in der du schlafen musst, weil Stadtpolitiker*innen, der Senat und Parteien zulassen, dass der Wohnungsmarkt neoliberalisiert wird, Investor*innen Häuser kaufen und Bevölkerungsgruppen verdrängt werden.
Geographie ist dein Essen, das Gemüse das du isst, das nach EU-Richtlinien aussieht und das unter schrecklichen Bedingungen von Geflüchteten in Spanien geerntet wird.
Geographie ist Google Maps, das alle deine Daten speichert und das du benutzt, um zur nächsten Party zu kommen.
Geographie ist die unglaublich lange und heiße Wetterphase, die vor zehn Jahren noch nicht so schlimm war.
Geographie ist, in überfüllten U-Bahnen zu stehen oder fast mit dem Fahrrad überfahren zu werden, weil es keine richtigen Radwege gibt.

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Unistreik: Der Klimawandel wartet nicht auf deinen Bachelorabschluss!

 

Berlinweiter Schul- und Unistreik am 26. November

Blockade des Ministeriums für Wirtschaft und Energie

„We can no longer save the world by playing by the rules. It’s time to rebel to save the future”
– Greta Thunberg, 15-jährige schwedische Klimaaktivistin im Streik

Der Klimawandel wartet nicht auf unseren Uniabschluss. Er ist längst eine reale Bedrohung für unsere Zukunft. Gleichzeitig unternehmen unsere Politiker*innen nichts, um die Klimakrise abzuwenden.

Deswegen werden wir am 26.11.18 weder in die Schule noch in die Uni gehen. Denn an jedem Tag, der ungenutzt verstreicht, setzt ihr unsere Zukunft aufs Spiel!

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Film & Fahrrad – Asylpolitik und ihre Folgen

30. August 2018
20:00bis22:30

– English below / Français ci-dessous / englisch und französisch unten –

Wir werden uns auf dem Mariannenplatz treffen, um eine Radtour durch die Stadt zu machen. Unser Gepäck wird das nötige Equipment beinhalten, um an verschiedenen Orten ein paar interessante Ausschnitte und Kurzfilme zu schauen, die uns über Asylpolitik informieren und deren grausame Folgen beleuchten, aber auch Einblicke in die Vergangenheit des Widerstands gegen die Abschottung Europas zeigen.
Danach kann bei Getränken das Gesehene, Geschehene und noch Ungeschehene gemeinsam besprochen werden.
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We’ll meet on Mariannenplatz for a cycling tour throughout the city. Our luggage will include the necessary equiptment to watch some interesting clips, informing us about asylum politics and its cruel consequences, but also provide us insight into resistance against the fortress Europe.
Afterwards there will be opportunity to discuss the seen, the past and the possible together.
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LES FRONTIÈRES TUENT
Film et bicyclette :
La politique contre l‘immigration et ses conséquences

Partant de la Mariennenplatz, on fera un tour de la ville à vélo. Dans nos bagages, on aura de quoi montrer quelques vidéoclips intéressants qui nous informeront sur les politiques d’immigration actuelles et sur leurs conséquences effroyables. Des extraits de films donneront un aperçu des actions de résistance qui ont été menées contre le verrouillage des frontières de l’Europe.
On s’installera ensuite pour boire un coup et discuter de ce qu’on a vu, de ce qui se passe actuellement et de ce qui pourrait encore arriver.

Antifaschismus in Budapest

Seit dem Jahr 2010 regiert in Ungarn die nationalkonservative/rechtspopulistische  Fidesz Partei mit einer zwei-drittel Mehrheit. Zudem befindet sich im ungarischen Parlament mit der antisemitisch und diversen weiteren diskriminierendem Verhalten gegen Minderheiten auftretenden Jobbik eine weitere Partei, welche als streng rechts eingestuft werden kann. Zusammen erreichten diese Parteien bei der letzten Wahl im Jahr 2014 beinahe 80 % der Sitze im Parlament. Eine erschreckend hohe Zahl!  Aber wie sieht das politische Alltagsleben aus?  Gibt es in einer solchen Gesellschaft überhaupt Antifaschismus? Und ist ein Licht am Ende des national geprägten Tunnels zu sehen?

Zunächst muss festgehalten werden dass die Ergebnisse der Wahlen nicht von ungefähr kommen, und eine breite Front von nationalistische geprägten Gedanken und Ausdrucksformen in der ganzen Stadt erkennbar sind.

Eine omnipräsente Symbolik von Nationalismus ist die Darstellung von Groß-Ungarn.
Bei Groß-Ungarn handelt es sich sehr vereinfacht dargestellt um eine bestimmte Ausdehnung des Königreichs Ungarns vor Beginn des ersten Weltkrieges innerhalb des kuk Staates. Am Ende der Friedensverhandlungen existierte diese Groß-Ungarn nicht mehr, und das sogenannte „Rumpfungarn“ blieb erhalten. Dieser Gebietsverlust wird heute noch als Schmach von Trianon bezeichnet. Und viele öffentliche Gebäude haben noch heute eine schwarze Flagge als Zeichen  der  Trauer über die verlorenen Gebiete.

In der heutigen ungarischen Gesellschaft jedoch wird Groß-Ungarn durch Monumente,  (Auto)Sticker, Aufnäher, Flaggen und vielem mehr  im Gedächtnis gehalten und symbolisiert wie großartig doch Ungarn eigentlich ist, bzw. sein könnte wenn es die Grenzen von 1920 wieder erhalten würde. Zudem scheint innerhalb des familiären Lebens Groß-Ungarn als Selbstverständlichkeit gesehen, in etwa nach dem Motto, so toll war Ungarn einmal und das können wir so auch ruhig zeigen und stolz drauf sein.  Somit ist Groß-Ungarn und besonders sein exzessives darstellen im Alltägliche Leben ein elementar wichtiger Nährboden für Patriotismus und Nationalismus.

Diese Symbolik scheint in der ungarischen Gesellschaft so tief verankert zu sein, dass sogar in augenscheinlich alternativen Kreisen keinerlei kritische Hinterfragung zu dieser Thematik vorhanden ist.

Die Jobbik Partei, welche durch homophobe, antisemitische und antiziganistische( das wort ist komisch vlt lieber nicht benutzen) Politik auffällt ist zudem die mit Abstand am häufigsten öffentlich auftretende Partei. Durch den Kauf von Plakatwänden ist es ihnen möglich, trotz gesetzlichem Verbots, ständig mit Plakaten im Straßenbild präsent zu sein und somit Werbung für ihre Gesinnung zu machen. Außerdem lassen sich an viel frequentierten Orten regelmäßig Werbestände der Jobbik Partei finden, zudem ist es leider sehr oft notwendig Sticker der Partei abzukratzen bzw zu überkleben.  (Zur Wählerschaft der jobbik weiß ich leider gar nichts und auch zu deren Organisationsgefüge ist mir nichts bekannt. was ich noch anmerken muss ist, dass die Partei in der jüngsten vergangenheit scheinbar weniger radikal auftritt. Die quelle ist da aber auch nur meine WG und wie sehr die so eine politische peilung haben bin ich mir echt nicht so sicher^^ Sie meinte man könne die eigentlich wählen und die Jobbik ist seit neustem besser als Fidesz, er hat da dann allerdings wiedersprochen, meinte aber auch das sie deutlich gemäßigter auftreten)

Aber nicht nur Sticker der Jobbik sind im großen Stile anzutreffen, sondern verschiedensten rechte Parolen befinden sich im öffentlichen Raum angeklebt. Und auch in Universitäts Gebäuden und studentischem Umfeld lassen sich immer wieder rechte Sticker finden.

Allgemein scheint es zumindest an der ELTE nur sehr wenig Antifaschistische Vernetzung zu geben und studentische hochschulpolitische Gruppen existieren seit mehreren Jahren gar nicht mehr. Lediglich unter einigen Professor*innen scheint es Antifaschistische Gruppierungen zu geben.

Beim Verlassen der Erasmus-Bubble und somit einhergehendem nähren Kontakt mit relativ jungen Ungarn (absichtlich nicht gegendert) wurde offen  damit geprahlt, das man Rassit ist, Homophobie eine gute Sache ist, und auch an der Person Adolf Hitler eine Menge positives zu sehen ist. Bei anderen zusammentreffen konnte ich einen extrem ausgeprägtem Patriotismus bis hin zum Nationalismus feststellen.

Es lässt sich also festhalten, dass rechtes Gedankengut und Nationalismus in der Gesellschaft  extrem verbreitet sind, und allgemein nur sehr wenig hinterfragt werden. Trotzdem kann man auch in Budapest linke Strukturen finden, welche jedoch einen schweren Stand haben.

So gibt es in ganz Budapest seit mehreren Jahren keine Hausbesetzung mehr             (lediglich eine Parkbesetzzung) und auch die Anzahl an aktiven  Antifas wie wir sie aus Deutschland kennen ist laut der Aussage eines Ungarn verschwindend gering.

In der Parteienlandschaft ist definitiv erwähnenswert die Partei „Ein Hund mit zwei Schwänzen“, welche als Satirepartei bezeichnet werden kann, jedoch durch wachsende Stimmanteile zunehmend an politischem Gewicht gewann in den letzten Jahren.

Auch gibt es Demonstration gegen aktuelle Soziale Problematiken, wie beispielsweise eine zunehmende Wohnraumproblematik, jedoch ist die Teilnehmer*inne Zahl bei einigen regelmäßig stattfindenden Demos rückläufig.

Als subkulturelle Zentren sind das Aurora und das Gólya hervorzuheben, welche kollektivbetriebende Social Center sind. So finden dort neben SoliPartys auch verschiedene Workshops, Disskussionen etc. statt. Darüber hinaus dient das Aurora im Moment „Food not Bombs Budapest“ als Kochmöglichkeit um sonntäglich den Obdachlosen (welche übrigens von der Regierung in einer weltweit einmaligen Form diskriminiert werden) der Stadt eine vollwertige Mahlzeit anbieten zu können.
Allerdings ist die Lage dieser beiden Institutionen eine sehr prekäre, und besonders dem Golya inmitten des in den letzten Jahren durchgentrifizierten Bezirk 8.( ja auch in Budapest ist die Gentrifizierung ein zunehmend ausuferndes Problem) droht die Schließung, da der Besitzer des Gebäudes lediglich mit dem Verkauf abwarten soll, bis ein höhere Angebot für das Gebäude vorliegt.

Es gibt In Budapest also nur wenige Institutionen und wenige aktive Personen, welche jedoch zum Teil aufopferungsvolle Arbeit leisten.

Trotzdem erscheinen rechte Gesinnungen sehr stark im öffentlichen Leben und Diskriminierung und Nationalismus scheint an der Tagesordnung, sowohl von poilitischer als auch von gesellschaftlicher Seite. Einen Wandel in naher Zukunft dieser gesamtgescellschaftlichen Problematik sehe ich persönlich nicht kommen.